also früher…

… also früher war das so, da habe ich um hierarchien zu vermeiden die buchstaben einfach alle gleich klein geschrieben, und der text brauchte keinen anfang und kein ende, außer es lief ihm so zu.
ich bin mit c. essen gegangen (das dessert schmeckte wie ein orgasmus), und danach gingen wir so durch die stadt, wie ich das im gegensatz zu früher gar nicht mehr oft tue (diese stadt in der ich wohne ist noch gar nicht zu fuß von mir erobert worde), naja jedenfalls wir spazierten, und wir landeten auf den schaukeln eines spielplatzes und umrundeten einmal das schloss undsoweiter, und langer rede kurzer sinn, das gespräch kam aufs schreiben.
sowieso wollte ich mal wieder übers schreiben schreiben.
habe ich ja früher am laufenden band so gemacht. schien motivierend zu sein, so auf dauer.
ich wollte erzählen, dass sich so langsam, langsam der wust an neuen herausforderungen lichtet, alltagsaufgaben vertrauter werden, und sich damit wieder mehr energie freischaltet, die für fiktion benutzt werden kann. und ich erinnere mich, wie wichtig mir das immer noch ist, dieses wortzeugs da. unter anderem, aber trotzdem.
und es ist schon eine weile her, glaube ich, dass ich abends müde vorm bildschirm gesessen und was ins internetz geschrieben hab: also früher! da war das der lifestyle! das war praktisch die essenz des lifestyles!
und jetzt

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nacht zeugs

habe geträumt, daß ich bei einer freundin zu besuch bin… ihre wohnung ist riesengroß, gewaltig, mit garten und überall tieren. ich bin im bad und um mich kreucht und fleucht es, eidechsen, meerschweinchen, und der raum fühlt sich an wie offen, voll licht.

einer von mehreren setsamen und erotisch konnotierten träumen in der letzten zeit. immer dann, wenn ich lange schlafe und also die gelegenheit zum ausgedehnten verarbeiten habe. dieser hier war ebenfalls beunruhigend, aber ich bevorzuge ihn vor dem, in dem man mir den bauch aufschneiden und den blinddarm rausoperieren wollte, und ich spürte schon meinen bauch wegen der betäubung nicht mehr, wohl aber den schrecken, weil die weisen frauen/ wilddruden mich gleich aufschneiden würden.

es kommen in den träumen eine menge frauen vor. meine mutter, meine großmutter, diese freundin, die weisen frauen/ wilddruden, begegnungen nebenbei. und tiere auch, keine der tiere, die mir nur nervosität signalisieren, wie spinnen und wespen, sondern ganz viele andere kleine tiere eben, mit denen ich gar nicht unbedingt überhaupt was zu tun hatte bisher. kann aber auch sein, daß das an der freundin liegt, bei der all das spielte, in deren realem zimmer die hamster durch große käfige rennen. (jetzt weißt du, daß du das bist, hallo! :))

draußen regnet es ganz schön.

ich beobachte viele interessante dinge.

Ein Tag

1) Heute ist Zeit. Zeit.

Mache seltsame Dinge: lange schlafen und von Begegnungen und wilden Ereignissen träumen. Langsam aufstehen, frühstücken, Tee kochen. Im Zimmer sitzen, zwischen Kisten und halb eingeräumten Regalen. Lesen. Schreiben. Musik hören.

Ach naja gut, es wartet die Arbeit auf mich in den Kisten. Ich brauche den Raum in der Mitte des Zimmers, auch wenn er nicht reicht, um eins meiner Schwerter zu schwingen. Für Liegestütze, Kreisbewegungen und anderes Rumgehopse. Ein bißchen auch, um von der Tür zum Bett laufen zu können ohne zu stolpern.

2) Oh, ich habe zu viele Besitztümer. Am schlimmsten ist der Papierkram, lauter Notizzettel in allen Größen, Postkarten, Erinnerungsflyer, Gedichte auf Bierdeckeln. Kann ich nicht wegwerfen. Oder kann ich? Es warten jedenfalls haufenweise Bücher und Klamotten bei mir auf den nächsten Flohmarkt, und das trotz Ausmisten vor einem halben Jahr, wo ich Berge von Sachen weggeschmissen und weitere Berge zum Oxfam-Laden gebracht habe. Kleine Zettel mit Plots, Rollenspielabenteuern oder Traumaufzeichnungen kann ich aber nicht aufm Flohmarkt verkaufen. Bleibt das alles in meinem Kopf, das Wichtige davon? Ich glaube man vergißt diese Dinge wirklich, wenn man keine physischen Erinnerungsstücke daran behält. Macht das was, wenn ich das vergesse? Bin ich dann weniger? (Und wäre das schlimm?)

Ich geh jetzt einkaufen, Brot und Obst. Angeblich ist heute CSD hier in der Stadt… mal schauen.

3) Der CSD in Mannheim ist seltsam, für mich.

Im letzten Jahr bin ich auf dem Leipziger mitgelaufen, das war auch ein bißchen komisch – weil ich alleine da war, und ich selten so viele Pärchen auf einem Haufen gesehen habe. Und ein wenig dieses von-innen-nach-außen-Blicken, wenn man auf der Straße läuft und überall an den Rändern die Zuschauer_innen stehen. Was sehen die, was sehen wir?

Die Veranstaltung an sich kam mir aber ganz normal vor, wenige Wagen, die meisten hatten wirklich eine enge Verbindung zum Thema. Und ganz viele Leute verschiedensten Aussehens, die wie auf einer Demo den Weg entlangmarschierten. Das war es auch in erster Linie, eine Demo, mit durchaus politischem Selbstverständnis.

Das, was ich jetzt hier in Mannheim gesehen habe, war hauptsächlich Party – was ich völlig okay fand. Befremdet hat mich eher, daß es eine Anneinanderreihung von Wagen war: halt ein Umzug, so karneval-ig, keine Demo. Am Ende des Zuges gerade mal drei Meter Leute, die hinterher wanderten. Die lesbischen und schwulen Pärchen, die in Leipzig ganz selbstverständlich Teil des Zugs waren, standen hier am Rand. Aber… wer ist das denn dann, den wir von außen betrachten, da drinnen bei den Mitmachenden?

4) Ich kann die Stille vielleicht fünf Minuten lang ertragen, Musik und Buch hin oder her. Dann fange ich wieder zu wackeln an.

zum neckar, but not today

für den moment ist meine entspanntheit wieder den bach runter. welchen, frage ich mich. hier gibt es ja nur flüsse. sie mag aktiver als ich gewesen sein und hat den weg hinunter zum neckar gemacht. dort liegt sie jetzt in der sonne, wie es ihr eben entspricht.

den mittag habe ich verbracht damit, mir meine wand als leinwand zu eigen zu machen. ein traum, den ich seit längerem mit mir herumtrage, eine ganze große wand zum bemalen zu haben. genau so toll, wie man denkt, ist es auch wirklich, wenn du in alle richtungen den pinsel bewegen kannst und niemand das produkt aburteilen kann. ich kann dann kaum aufhören. irgendwann muß aber ein punkt sein, so wie ein gedicht eine letzte zeile haben muß. selbst wenn es ein work in progress ist, muß es einen passenden pausenpunkt geben, an dem ich wenigstens temporär den farbeimer verschließen und die folie zusammenknüllen kann.

ich war noch so in der bewegung eingeschlossen, also putzte ich als nächstes. dann planleere und gesellschaftsleere, oder auch nichts zu tun und alleine.

bevor ich zu arbeiten angefangen habe, habe ich als student_in und arbeitslose sehr viel unstrukturierte zeit gehabt. diese habe ich meistens zum prokrastinieren genutzt. die daraus erworbene gewohnheit ist das nagen im hinterkopf, daß mich erinnert, daß es immer etwas zu tun gibt. es gibt immer die aufgabe, ein besserer mensch zu sein. je nach situation kann sie sich aufspalten in unteraufgaben. im aktuellen fall geht es um die basisaufgabe „ein besserer mensch sein“ und ein bißchen um die subaufgabe „eine perfekte mitbewohnerin sein“.

die „ein besserer mensch sein“-aufgabe trägt mit sich in der hosentasche einen katalog herum, den sie mir immer dann vorlegt, wenn ich sonst gerade nichts zu tun habe, das meine gedanken beschäftigt. der katalog ist gefüllt mit anforderungen, welche man erfüllen muß, um gut zu sein. für jeden menschen scheint der katalog völlig unterschiedlich auszusehen, denn die anforderungen sind teilweise so spezifisch und auf die persönliche situation bezogen, daß sie für mich maßgeschneidert worden sein müssen.

im moment steht ein „to do“ ganz oben auf der liste: zum neckar gehen.

ich habe nicht die leisteste ahnung, was „zum neckar gehen“ mit der güte meines menschseins zu tun hat. aber es steht da, deutlich lesbar.

nun könnte ich das dilemma lösen, indem ich einfach aufstehe und zum neckar gehe, was nicht besonders schwierig oder anstrengend wäre. aber irgendwie pißt es mich an, daß ich damit diese dämliche aufgabe erfüllen würde. klar, es ist sicher sehr schön am neckar, und habe auch fest vor, in den nächsten tagen mich dorthin zu begeben. aber nicht, weil ein nutzloser moralischer streßimpuls mir auf der schulter sitzt und mich dorthin schubst.

ein teil von mir kriegt jetzt heftig angst und merkt an: aber daß du immer rumsitzt anstatt etwas aktives zu machen, ist der grund, daß du jahrelang unzufrieden mit dir und deinem leben warst! und dieses ich will aber selber entscheiden!, das war genau in diesen jahren auch der grund, warum du nicht einfach per modus operandi die aktive variante gewählt hast!

das ist ein sehr vertrauter gedankengang, der sich automatisch einschaltet. daraus, wie automatisiert er schon ist, kann ich schließen, daß er mich schon eine weile begleiten muß, also auch zu der zeit, von der die rede ist. nun. hat mir dieser gedankengang zu jener zeit geholfen, mich wohler zu fühlen? nicht im mindesten. er hat mir lediglich ein schlechtes gewissen gemacht, mich aber keineswegs aktiviert.

war ich nicht schon woanders…

ach ja.

der weg dazu, tiefer im leben drin zu sein, ist nicht zwangsläufig, es besonders angestrengt zu versuchen.

oh. der himmel ist zugezogen. wind kommt auf. es fühlt sich nach regen an.

Neuer Ort

Meine physische Häutung geht weiter vonstatten, trockene Haut, die sich über meiner Nase und am Kinn abschält wie Schorf. Kann die Sonne gewesen sein.

Ich habe ein paar wenige Sachen ins Auto gepackt und mich nach M fahren lassen, dort die Dinge wieder ausgeladen und in mein halbwegs leeres neues Zimmer gestellt. Überall sonst hier in der Wohnung ist es voll und belebt, Markierungen:  „wir wohnen hier, und wer bist du?“

Ich möchte rote Farbe an den Händen haben und allem meinen Stempel aufdrücken, so daß mir niemand mehr das Gefühl geben kann, ich sei hier fremd und nicht willkommen, weil ich alles geprägt und geformt habe. Stattdessen werde ich leise, vorsichtig, langsam, ziehe mich zurück und muß mir bewußt immer wieder einen Schubs geben, um ein paar Zentimeter Raum für mich einzunehmen. Eine gute Übung, in genau dem Fach, wo ich sie brauche. Anstrengend allerdings auch. Saugt Kraft auf.

Zur Zeit passiert es mir immer wieder, daß ich so vor mich hin gehe und auf einmal in einer Situation bin, die mich viel stärker herausfordert, als ich vorher einkalkuliert hatte. Im Rückblick merke ich dann, wie erwartbar das war — Situationen, in denen ich genau all das tun muß, was mir am schwersten fällt, und zwar alleine, ohne jemanden dabei, der mir den Rücken stärkt. Gut, daß ich das vorher nicht merke. Sonst würde ich vielleicht stoppen und es nicht versuchen, und das hatte ich schon, ich mag es nicht mehr. Lieber mit der Nase gegen die Wand knallen als der Wand aus dem Weg gehen, umkehren und sie nicht zu spüren.

2000 kam ich nach Stuttgart, es hieß, es sei eine Wohnung für mich bereitgestellt, mit allen notwendigen Möbeln, jedenfalls einem Bett. Nach dem ersten Acht-Stunden-Arbeitstag kam ich in diese Wohnung, die mich mit Leere begrüßte. Riesig und weiß war alles. Wunderschön eigentlich, doch in diesem Moment so ungleich einem Schutzraum, den ich erhofft hatte, daß ich mich fühlte, als sollte ich gleich wieder nachhause fahren. Hier gab es keinen Platz für mich. (Das „hier gibt es keinen Platz für mich“-Gefühl hat natürlich mit konkreten und realen Situationen ganz wenig zu tun.)

In Leipzig wohnte ich ein, zwei Jahre in einer Wohnung mit einer Mitbewohnerin. Ich bin dort nie ganz angekommen. In meinem Zimmer, ja, dort versteckte ich mich dann, wenn Besuch in der Küche war, oder wenn die Hunde mit ihrem Bellen mir zu sehr auf die Nerven gingen. Meine Wohnung war das nie so richtig.

Danach probierte ich es nicht mehr, ich baute mir mein eigenes abgeschottetes Nest, wo mir niemand reinreden, mich herausfordern oder in Bewegung bringen konnte.

Und jetzt wieder von vorne. Weiße Wände, leeres Zimmer. Belegte Küche. Far from home. (Obwohl gar nicht wirklich.) Dabei hatte ich mich in den letzten zwei Monaten schon wieder an die anstrengungslose Sicherheit im Elternhaus gewöhnt.

Ich hole die Furchtkataloge aus meiner Innentasche und breite sie in plakatgroßen Farbfotos vor mir aus. Was wenn —

Diese Neuanfänge sind alle immer wieder gleich schwierig. Ich werde nicht herausfinden können, was in der Zukunft liegt, ob ich mit meinen Mitbewohnerinnen klarkommen werde, ob ich einsam sein werde, ob mir die Wege zu weit sind, die Wände zu dünn, die Straße zu laut — immer erst dann, wenn etwas davon de facto eintritt und in der Gegenwart angekommen ist. Also, bekannte Übung anwenden.

Jetzt ist jetzt. Jetzt ist es nicht laut. Unter meinem Hintern harter Boden. Straßenlaternenlicht zum Fenster herein. Gefühl sanfter Traurigkeit (Sehnsucht?), und ein bißchen müde. Internetconnection steht. Motorrad fährt draußen brummend vorbei.

I’m writing this to get rid of my envy

I feel so stupidly lonely, and the attributes I hate most about myself get blown to the surface: envy, most of it all, and self pity. Oh I know, it doesn’t do anyone any good when I’m being mean to myself, but envy (which is really loneliness) tastes ugly in my throat, like mould or milk gone bad.

My very good old friend – let’s call her Maja – just phoned me to tell me that she’s getting married. She manages to do this for completely practical reasons and still gets all the romantic stuff out of it, and more, complete with roses, engagement ring and candlelight. I love her for the way she manages this, which is completely unique and full of true passion.

Another friend of mine is five months pregnant.

Is it ridiculous that a part of me wants that stuff, too? Probably not. But it certainly is impractical, because I’m not going to get it any time soon.

M and W had fight today, a small one, M says, but I can’t quite grasp why he doesn’t just listen to her, why he always has to belittle her feelings. He’s not like that with me, and I know he can do better. Everyone seems to be fighting these days (well, not Maja and her fiancé, obviously), and it’s difficult to distance myself from those fights, because I panick easily and start to believe that everything is breaking apart.

Today’s not such a good day. On other days, I feel brilliant, independent, strong, calm. But the longer I’m in this city, staring at a flickering computer screen, sleeping too long and drifting through whole days without anything practical to do, the more I’m losing my equilibrium.

Just gotta move away, then, right? The answer is quite easy, I just have to do it.

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Apropos moving away – I don’t feel safe out here in the open anymore, so MAYBE I’m going to move my private content to wyrdnis.dreamwidth.org and make that journal friendslocked. If you want to join me there, I’d be happy. I can’t guarantee there will be much more than whining, though –  saldly I don’t tend to blog much when I’m happy.

viel regen ist nur geil wenn man einen ordentlichen fluß in reichweite hat.

keine so gute zeit.

ich wünsche mir: ein altstadthaus, so ein kleines, im weindorf oder in mehr oder weniger historischen kleinstadtgassen. down to earth, klein, warm, sicher. eine ausgangsbasis zum festhalten, damit ich wieder besser rausgehen und mich bewegen kann. wann immer ich mich verkrampfe, am computer viel zeit verbringe und meine pläne nicht umsetze, bin ich voller scham, die mich nur mehr lähmt.

hier ist stadt, offen, leer, zu groß. die bedrohliche offenheit ist nicht mit menschen gefüllt, die mir zur seite stehen.

ich bin selbst schuld, denkt ein teil von mir, und verbietet mir darüber zu schreiben.

es regnet schon wieder, tagelang (nein, nicht wirklich, heute mittag schien die sonne, aber trotzdem). bin zu viel allein, nicht objektiv gesehen, aber schon an meinem gesteigerten bedürfnis an gesellschaft gemessen.

so seltsame pubertäre einsamkeit, die nur wenig mit außenfaktoren zu tun hat.

ich will wirklich so gerne shiny geschichten erzählen, was ich tue und wie die sonne scheint und wen ich treffe und liebkose, und die spirituelle erfahrung der woche – aber das entspricht mir alles gerade nicht, das ist überhaupt gar nicht wahr. (und wenn es mal wahr ist, schreib ich darüber keinen post, unfair, heh?)

vllt brauch ich ja nur mehr musik und bitte verflucht noch mal ein bißchen sonne, wir haben immerhin juli.