Ein Tag

1) Heute ist Zeit. Zeit.

Mache seltsame Dinge: lange schlafen und von Begegnungen und wilden Ereignissen träumen. Langsam aufstehen, frühstücken, Tee kochen. Im Zimmer sitzen, zwischen Kisten und halb eingeräumten Regalen. Lesen. Schreiben. Musik hören.

Ach naja gut, es wartet die Arbeit auf mich in den Kisten. Ich brauche den Raum in der Mitte des Zimmers, auch wenn er nicht reicht, um eins meiner Schwerter zu schwingen. Für Liegestütze, Kreisbewegungen und anderes Rumgehopse. Ein bißchen auch, um von der Tür zum Bett laufen zu können ohne zu stolpern.

2) Oh, ich habe zu viele Besitztümer. Am schlimmsten ist der Papierkram, lauter Notizzettel in allen Größen, Postkarten, Erinnerungsflyer, Gedichte auf Bierdeckeln. Kann ich nicht wegwerfen. Oder kann ich? Es warten jedenfalls haufenweise Bücher und Klamotten bei mir auf den nächsten Flohmarkt, und das trotz Ausmisten vor einem halben Jahr, wo ich Berge von Sachen weggeschmissen und weitere Berge zum Oxfam-Laden gebracht habe. Kleine Zettel mit Plots, Rollenspielabenteuern oder Traumaufzeichnungen kann ich aber nicht aufm Flohmarkt verkaufen. Bleibt das alles in meinem Kopf, das Wichtige davon? Ich glaube man vergißt diese Dinge wirklich, wenn man keine physischen Erinnerungsstücke daran behält. Macht das was, wenn ich das vergesse? Bin ich dann weniger? (Und wäre das schlimm?)

Ich geh jetzt einkaufen, Brot und Obst. Angeblich ist heute CSD hier in der Stadt… mal schauen.

3) Der CSD in Mannheim ist seltsam, für mich.

Im letzten Jahr bin ich auf dem Leipziger mitgelaufen, das war auch ein bißchen komisch – weil ich alleine da war, und ich selten so viele Pärchen auf einem Haufen gesehen habe. Und ein wenig dieses von-innen-nach-außen-Blicken, wenn man auf der Straße läuft und überall an den Rändern die Zuschauer_innen stehen. Was sehen die, was sehen wir?

Die Veranstaltung an sich kam mir aber ganz normal vor, wenige Wagen, die meisten hatten wirklich eine enge Verbindung zum Thema. Und ganz viele Leute verschiedensten Aussehens, die wie auf einer Demo den Weg entlangmarschierten. Das war es auch in erster Linie, eine Demo, mit durchaus politischem Selbstverständnis.

Das, was ich jetzt hier in Mannheim gesehen habe, war hauptsächlich Party – was ich völlig okay fand. Befremdet hat mich eher, daß es eine Anneinanderreihung von Wagen war: halt ein Umzug, so karneval-ig, keine Demo. Am Ende des Zuges gerade mal drei Meter Leute, die hinterher wanderten. Die lesbischen und schwulen Pärchen, die in Leipzig ganz selbstverständlich Teil des Zugs waren, standen hier am Rand. Aber… wer ist das denn dann, den wir von außen betrachten, da drinnen bei den Mitmachenden?

4) Ich kann die Stille vielleicht fünf Minuten lang ertragen, Musik und Buch hin oder her. Dann fange ich wieder zu wackeln an.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s