zum neckar, but not today

für den moment ist meine entspanntheit wieder den bach runter. welchen, frage ich mich. hier gibt es ja nur flüsse. sie mag aktiver als ich gewesen sein und hat den weg hinunter zum neckar gemacht. dort liegt sie jetzt in der sonne, wie es ihr eben entspricht.

den mittag habe ich verbracht damit, mir meine wand als leinwand zu eigen zu machen. ein traum, den ich seit längerem mit mir herumtrage, eine ganze große wand zum bemalen zu haben. genau so toll, wie man denkt, ist es auch wirklich, wenn du in alle richtungen den pinsel bewegen kannst und niemand das produkt aburteilen kann. ich kann dann kaum aufhören. irgendwann muß aber ein punkt sein, so wie ein gedicht eine letzte zeile haben muß. selbst wenn es ein work in progress ist, muß es einen passenden pausenpunkt geben, an dem ich wenigstens temporär den farbeimer verschließen und die folie zusammenknüllen kann.

ich war noch so in der bewegung eingeschlossen, also putzte ich als nächstes. dann planleere und gesellschaftsleere, oder auch nichts zu tun und alleine.

bevor ich zu arbeiten angefangen habe, habe ich als student_in und arbeitslose sehr viel unstrukturierte zeit gehabt. diese habe ich meistens zum prokrastinieren genutzt. die daraus erworbene gewohnheit ist das nagen im hinterkopf, daß mich erinnert, daß es immer etwas zu tun gibt. es gibt immer die aufgabe, ein besserer mensch zu sein. je nach situation kann sie sich aufspalten in unteraufgaben. im aktuellen fall geht es um die basisaufgabe „ein besserer mensch sein“ und ein bißchen um die subaufgabe „eine perfekte mitbewohnerin sein“.

die „ein besserer mensch sein“-aufgabe trägt mit sich in der hosentasche einen katalog herum, den sie mir immer dann vorlegt, wenn ich sonst gerade nichts zu tun habe, das meine gedanken beschäftigt. der katalog ist gefüllt mit anforderungen, welche man erfüllen muß, um gut zu sein. für jeden menschen scheint der katalog völlig unterschiedlich auszusehen, denn die anforderungen sind teilweise so spezifisch und auf die persönliche situation bezogen, daß sie für mich maßgeschneidert worden sein müssen.

im moment steht ein „to do“ ganz oben auf der liste: zum neckar gehen.

ich habe nicht die leisteste ahnung, was „zum neckar gehen“ mit der güte meines menschseins zu tun hat. aber es steht da, deutlich lesbar.

nun könnte ich das dilemma lösen, indem ich einfach aufstehe und zum neckar gehe, was nicht besonders schwierig oder anstrengend wäre. aber irgendwie pißt es mich an, daß ich damit diese dämliche aufgabe erfüllen würde. klar, es ist sicher sehr schön am neckar, und habe auch fest vor, in den nächsten tagen mich dorthin zu begeben. aber nicht, weil ein nutzloser moralischer streßimpuls mir auf der schulter sitzt und mich dorthin schubst.

ein teil von mir kriegt jetzt heftig angst und merkt an: aber daß du immer rumsitzt anstatt etwas aktives zu machen, ist der grund, daß du jahrelang unzufrieden mit dir und deinem leben warst! und dieses ich will aber selber entscheiden!, das war genau in diesen jahren auch der grund, warum du nicht einfach per modus operandi die aktive variante gewählt hast!

das ist ein sehr vertrauter gedankengang, der sich automatisch einschaltet. daraus, wie automatisiert er schon ist, kann ich schließen, daß er mich schon eine weile begleiten muß, also auch zu der zeit, von der die rede ist. nun. hat mir dieser gedankengang zu jener zeit geholfen, mich wohler zu fühlen? nicht im mindesten. er hat mir lediglich ein schlechtes gewissen gemacht, mich aber keineswegs aktiviert.

war ich nicht schon woanders…

ach ja.

der weg dazu, tiefer im leben drin zu sein, ist nicht zwangsläufig, es besonders angestrengt zu versuchen.

oh. der himmel ist zugezogen. wind kommt auf. es fühlt sich nach regen an.

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Ein Gedanke zu “zum neckar, but not today

  1. ich versteh dich so gut, meine liebe. alles was du hier schreibst.

    (wollte eigentlich nur sagen, dass ich hier mitlese! ein lebenszeichen geben und so.)

    <3

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