disconnect

krank herumliegen bedeutet entschleuigung außen und beschleunigung innen: träume mit zu schnellen schnitten, voll mit in der vorhandenen zeit nicht erfüllbaren aufgaben. du kommst zu spät, aber der weg ist zu lang. der weg ist interessant, aber es zählt nicht, weil das ziel wartet, und das ziel ist ein zwischenziel, welches zu genießen kaum raum bleibt — wir müssen zum nächsten abschnitt. so meine fieberträume. mag sein, daß fieberträume (oder kopfschmerzträume, wahrscheinlich hatte ich nichtmal fieber) immer genau so sind, daß sie mit mir gar nichts zu tun haben.

jetzt kann ich wieder klar denken und in einen bildschirm schauen, nach draußen auf längere spaziergänge traue ich mich noch nicht so recht. die freundin, mit der ich morgen kreativ und aktiv werden wollte, hat mir wegen krankheit abgesagt. draußen ist die sonne, auf die ich gewartet habe. was mache ich jetzt mit ihr?

da geht alles nur einen tag lang wieder langsam, ich habe das lange wochenende nicht mit vorzeigbaren tätigkeiten gefüllt, und schon bin ich wieder im emotionalen januar. und ich trau mich natürlich eigentlich gar nicht, das zu schreiben. ich will diese zeit zum nachdenken nicht. ich weiß schon vorher, was bei dem nachdenken herauskommt. es ist nie etwas neues.

es macht keinen spaß, in allen vorhaben fast immer allein zu sein. das wochenende mit ereignissen, mit tatsächlich fühlbarem erleben zu bestücken ist unendlich viel anstrengender, wenn ich die spaziergänge oder fahrten alleine unternehmen muß, als wenn ein_e freund_in oder sogar mehrere mit loslegen.

ich bewundere immer sehr diese menschen wie meinen bruder zum beispiel, der immerzu auf veranstaltungen und parties mit seinen vielen freunden unterwegs ist. aber die leistung dazu liegt offenbar in der vorarbeit, sich die entsprechenden leute anzuschaffen. er erzählt, daß am wochenende einfach immer etwas los ist, mehrere leute rufen an und fragen nach seiner gesellschaft, es gibt immer mehr als ein angebot, was man unternehmen könnte. entscheidet man sich gegen großveranstaltung x bleiben immernoch mittelgroßveranstaltungen z, b und y übrig.

habe ich einfach diese vorarbeit verpaßt? oder wäre ich dazu gar nicht in der lage gewesen? ich bin ein eher langsamer mensch. einige zeit lang war ich auch ziemlich unflexibel. in dieser zeit muß ich die fröhlichen spontanen leute verschreckt haben. auch jetzt bin ich nicht gerade das party animal, mir stehen immernoch viele gedanken im weg, und ich trinke zu wenig alkohol. auf einer party, auf der ich kürzlich war, wurde ich wiederholt gefragt, ob denn alles okay sei, ich wirkte offenbar nicht ausgelassen genug. dabei ging es mir völlig okay, ich hatte nur gerade nicht so viel lust auf trinken und/oder zu schlechter musik rumhopsen. aber das kommt schlecht an. partymuffel. spielverderberin.

vielleicht müßte ich auch nur lernen, besser mit mir allein klarzukommen, mich genauso zu amüsieren wenn keine freund_innen dabei sind. nach, hm, weiß nicht, afrika oder so gehen, ein jahr lang üben, allein zurechtzukommen.

kann auch sein, daß das finden aktiver gruppen von menschen, in die man paßt, etwas mit glück zu tun hat. zweimal war ich teil einer solchen gruppe, ich erinnere mich nicht, viel dafür getan zu haben, außer einfach dort aufzutauchen und zu sagen, ihr seid toll, ich möchte gern mitmachen. es funktionierte, weil da etwas harmonierte. nicht weil irgendwer sich besonders angestrengt oder gar sich zu verändern gesucht hätte.

vielleicht war ich damals auch gelassener und weniger panisch, weniger einsam ganz sicher. der druck war weniger groß. und wir ordneten menschen unserer gruppe zu aufgrund ihrer einstellung und ihres willens — nicht auf basis dessen, was sie getan hatten, wie sie sich profiliert hatten, weil das tun die authentizität des wollens zeigt, nichtwahr?

oder ist das jetzt auch noch so, daß gruppen sich aufgrund von sympathien und gemeinsamen anliegen oder interessen konstituieren? damals war ich immer ein bißchen das nesthäkchen, eine position, die es mit sich bringt, daß man zwar nicht ganz so ernst genommen wird wie andere, aber auch nicht viel von einem erwartet wird an leistungen. jetzt bin ich für diese position nicht mehr jung oder niedlich genug, und sie würde mir auch nicht mehr genügen. aber an eine rolle, an die mehr anforderungen gestellt werden, traue ich mich nicht heran. und überhaupt, wo? wo ist diese tolle gruppe? ich müßte sie erstmal finden und habe keine ahnung, wo ich suchen soll.

wenn ich sie finde und ihnen etwas wie das hier gerade erzähle — das ist zwanghaft, ich kann meine klappe über meine issues nicht halten — ich kann mir nicht vorstellen, daß ich dann von irgendwem in dieser gruppe akzeptiert werden könnte.

ich weiß wie unattraktiv jammern ist. (nein, nicht bei anderen. aber bei mir.)

dabei glaube ich eigentlich, daß ich etwas beitragen könnte. ich habe zwar wenige fähigkeiten, aber über alles schonmal nachgedacht, und ich weiß wie dinge auf die beine gestellt werden können, jedenfalls im kleinen. ich weiß, wann man vom überlegen ins machen übergehen muß, gerade weil ich dieses problem selbst habe, den sprung allein nicht zu kriegen. anderen leuten kann ich hilfreich all die weisheiten zur seite stellen, die mir bisher begegnet sind, nur bei mir selbst kommen sie nicht so recht an.

dieser neuanfang, den ich will, er kommt so schleppend in gang. für einen tag, an dem ich eine veränderung spüre, sind da zehn tage, an denen nichts, aber auch gar nichts geschieht, so wie seit jahren. ich will wenigstens ein eins zu drei verhältnis haben. bin ich dafür wirklich ganz allein zuständig? kann da nicht einfach aus dem nichts jemand auftauchen und mir anschieben helfen, einfach so, jemand, den ich nicht vorher erst 100 traumjahre im dschungel suchen muß?

ich weiß nicht, wo der kreis anfängt. muß ich mich mit mir selber ganz wohl fühlen, um mich mit neuen menschen anfreunden zu können (oder den kontakt zu „alten“ aktiver zu halten, wieder aufzunehmen), oder muß ich mich in irgendeine gesellschaft stützen, um mich abzulenken und dadurch gelassener zu werden, durch erfahrung, oder — ich weiß, daß da nachdenken zu überhaupt keiner lösung führt, aber was sonst soll ich denn tun, wenn ich einsam und ohne aufgabe hier rumsitze und schon die tür nach draußen eine hürde darzustellen scheint?

ich fürchte mir chancen zu verbauen, indem ich den mund aufmache oder den post in die landschaft stelle, wenn ich in dieser verfassung bin, wer mag schon so eine heulboje, die nichts auf die reihe kriegt und dann genau darüber noch reden muß — aber so bin ich eben manchmal, und so zu tun als sei ich nicht so führt mich auch nicht weiter, außer daß ich dann das gefühl habe, nicht mit offenen karten gespielt zu haben, und der fall umso tiefer sein wird, wenn mein betrug entdeckt wird.

dies ist eine seite des steins (nicht der münze, weil es mehr als zwei seiten gibt).

ich weiß nicht, was ich mir erwarte, nichts. was da ist, ist eben da, und was nicht da ist auch, und ich weiß zwar, daß es nicht besser wird, indem ich es aufschreibe, aber es beschäftigt mich zu sehr, um jedes mal wenn der gedanke aufkommt ein pflaster darüberzukleben.

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Ein Gedanke zu “disconnect

  1. Das mit der Party und dem, daß alle dachten, ich fühl mich nicht wohl dort. Ganau. Hatte ich letztens auch mal wieder. Und dann überlegt man sich, daß man lieber nicht mehr auf Parties mitgeht, weil man Angst hat, dort nicht entspannt sein zu können vor lauter drüber nachdenken, wie man es schafft, bloß nicht unentspannt zu wirken.

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