Tür auf/zu

Ich mußte ein bißchen über Entscheidungmöglichkeiten nachdenken (und dann schau ich ja FlashForward, wo man kaum daran vorbeikommt, das Thema in Erinnerung gerufen zu bekommen).

Vor ein paar Tagen war ich auf einem Konzert, wo ich während die erste Band spielte auf einem Stuhl im hinteren Teil der Halle saß. Die Frau neben mir wollte etwas zur nächsten Band wissen, ich fragte, ob sie für die dritte gekommen sei. Und erfuhr, sie habe gerade ihre Beziehung beendet und sei zum Ablenken hergekommen. Ich sagte kurz etwas Nettes und nicht sehr Persönliches.

In den nächsten Minuten spielte ich im Kopf die Möglichkeiten durch. Gern hätte ich sie in den Arm genommen. Oder zumindest ein Angebot gemacht. Wenn Sie etwas brauchen, hätte ich sagen können, wenden Sie sich an mich. Sie hätte mit mir über ihr Problem reden können oder über etwas ganz anderes. Vielleicht, wie in einem Film, wären wir tanzen gegangen nach vorn, und nach dem Konzert noch was trinken, wir hätten geredet oder uns sonst irgendwie einen denkwürdigen Abend gemacht.

Ich habe nichts weiter Bedeutungsvolles zu ihr gesagt, nur in meinem Kopf zwanzigmal.

Als die Band zu spielen begann, wegen der ich gekommen war, verabschiedete ich mich und ging tanzen. In den anderen Quantenrealitäten habe ich gefragt, ob sie mitkommt. Ich bin zurückgekommen, habe mich verbeugt und die Hand nach ihr ausgestreckt. Wir haben getanzt und uns angelacht, und ihre Ablenkung hat wirklich gut funktioniert an diesem Abend.

Aber nicht in dieser Realität. Da bin ich immerhin soweit gekommen meine Aufmerksamkeit auf mich selbst zu lenken und kein schlechtes Gewissen mit mir herumzutragen, das finde ich mit das Wichtigste bei Entscheidungen. Die vielen anderen Möglichkeiten spukten trotzdem noch in meinen Gedanken herum.

Vor was hatte ich eigentlich Angst?

Denn das war es, was mich abgehalten hat, ihr dieses Angebot meines Beistands zu unterbreiten. Angst vor einer befremdeten Reaktion, Angst Aufmerksamkeit auf mich zu lenken? Angst vor unangenehmem Schweigen zwischen uns, wenn sie nicht angenommen hätte? Ich kannte die Frau doch gar nicht. Hatte ich etwas zu verlieren?

Ist es ein Automatismus, daß ich so und nicht anders gehandelt und all die anderen Optionen ausgeschlossen habe? Oder kann ich das nächste Mal mich ganz anders entscheiden, wenn ich in einer ähnlichen Situation bin?

Mir gefällt die Welt, in der eine beliebige fremde Person sich für den Menschen auf dem Stuhl neben sich interessiert. Ich erinnere mich, wie ich mich nach meiner Trennung gefühlt habe. Es wäre ein angenehmes Gefühl gewesen, auf meinen geäußerten Schmerz eine Reaktion zu bekommen, die ihn zu würdigen weiß. Und Freundlichkeit zu begegnen.

Wenn es um Leben und Tod oder generell um Bedrohung geht, dann scheine ich es nicht so schwierig zu finden, mich zum Einmischen aufzuraffen. Ich weiß gar nicht, ob ich mit meiner Einmischung je einen Effekt erzielt habe. Vielleicht wäre auch hier gar nichts passiert, sie hätte freundlich genickt und sich bedankt, danke, aber nein danke, und das wäre es gewesen. Wer weiß. Niemand, denke ich.

Ist gegen Gewohnheiten handeln immer gut, die aktive Variante immer die bessere Entscheidung im Vergleich zur abwartenden?

Eigentlich sind das gar nicht die Fragen, sondern die Frage ist, was in meinem Bauch war, und hätte ich nicht sagen können, ich fühl mich komisch das zu sagen, aber wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann —

Oder spricht tatsächlich was dagegen, das zu tun? Was meint ihr?

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