So, zurück. Mit Programmatik.

Ich wollte etwas Thematisches schreiben (wenn auch etwas Thematisches, das mit mir zu tun hat) (was ist ein Thema?).

Zunächst muß ich aber ein paar Hemmschuhe aus meinem Hirn hier auf den Bildschirm rausstellen, damit sie mir nicht mehr in jeden Text reintreten, in dem es um etwas ganz anderes geht.

Wenn ich in der Straßenbahn sitze, fallen mir mittlerweile wieder jede Menge Dinge ein, über die ich schreiben könnte, und dann blogge ich im Kopf vor mich hin –  da ist alles, exakte Formulierungen, Witz, Zusammenhänge. Vor dem offenen Eingabefeld sitzend habe ich bis auf Satzbruchstücke alles vergessen. Losschreiben hilft nicht.

Da ist (mindestens) eine Wand in mir, gegen die meine Energie rennt, immer und immer wieder, ich kriege keine Luft mehr und/ oder werde müde oder deprimiert, dann ziehe ich vom Blog um um irgendwas zu tun, das meiner niedergedrückten Stimmung und meinen Komplexen entspricht. So ist das.

Und ich würde ja genau darüber reden wollen, so wie jetzt gerade. Denn darüber reden, vor allem offen und für alle lesbar, das entmystifiziert, und das nimmt vielleicht diesem Zustand die Macht, die er über mich zu haben scheint. Enter Wand Nummer Zwo. Auf Wand Nummer Zwo steht: Keine Befindlichkeiten!

„Befindlichkeiten“ ist so ein Wort, das man über alles stülpen kann, was irgendwie subjektiv ist, wodurch es gleich drei Größen runtergestuft wird.

In anderen Bereichen, wie zum Beispiel in der Wissenschaft, argumentiere ich überzeugt und ziemlich angstfrei für den subjektiven Ansatz und gegen Neutralitätsgebot und sogenannte „objektive“ Beurteilungen und bescheinige den Verfechter_innen jener Richtungen (mehr oder weniger) herzerfrischende Naivität.

Nun befinde ich mich in meinem eigenen Raum, über dem meine Adresse steht, mein selbstgewählter Name, und wo ich wirklich sagen kann, was ich will — und hier fange ich an, von mir selber die Distanz zu mir zu verlangen. Wie absurd ist das?

Ja aber, sagt in meinem Kopf jemand (irgendein ich ist das). Was dich doch eigentlich stört ist, daß du dich seit Jahren immer wieder über dieselben minimalen Probleme echauffierst. Wenn man dir so ein Eingabefenster gibt, kann man sicher sein, daß du es nutzt, um über deine Issues zu jammern. Immer über dieselben Issues. Überschreib doch dein Blog mit „Angst“. Dann brauchst du nichts mehr reinschreiben, weil es genau darum ja doch in jedem Post geht. Und du brauchst nicht mehr genervt von deinen ewig gleichen Themen zu sein. Andre Leute im Internet auch nicht. Und Bonus, du kriegst keine negative Reaktion, weil es für eine Reaktion ja erstmal eine Aktion geben muß. Alle sind glücklich.

Meistens und auch gerade im Moment lasse ich mich von dieser schlauen Argumentationslinie zum größten Teil überzeugen.

Es gibt aber etwas, das dagegen spricht ihr zu folgen, nämlich mein Ziel.

2009 bis jetzt habe ich besonders viel Zeit damit verbracht herauszufinden, wie ich eigentlich sein und wie ich leben möchte. Beim Erspüren meiner Bedürfnisse habe ich festgestellt, daß ich unter meiner Gewohnheit leide, mich zurückzuziehen, wenn ich vorpreschen könnte, und zu schweigen, wenn ich singen oder schreien könnte. Das soll kein Argument dafür sein, daß Aktion und Lautstärke generell Herumsitzen und Schweigen vorzuziehen wäre, so sehe ich das überhaupt nicht. Doch für mich persönlich habe ich ein starkes Bedürfnis danach, oft laut zu sein und ganz viel Raum einzunehmen. Wenn ich das tue, höre und spüre ich mich direkter. Ich lebe intensiver. Ich bin dann ehrlicher zu mir und der Welt, und es geht mir besser. Schöner bin ich dann auch. Ja, wirklich.

Meine internen Wände und Blockaden stehen schon lange und sind dadurch sehr fest. Sie halten mich davon ab, laut zu werden. Sie sind mir Probleme.

Diesen Problemen komme ich mit Nachdenken nicht bei.

Laut werden (können), so wie Raum einnehmen (können), ist nämlich kein Ziel — es ist eine Praxis.

Eine Praxis muß praktiziert, nicht gedacht werden.

Deshalb bringt es mich nirgendwohin außer in die Depression, wenn ich mich weiter mit welchen Argumenten auch immer — es ist wirklich völlig egal, wie valide sie scheinen — vom Schreiben abhalten lasse. An dieser Stelle muß ich aufhören mit dem Versuch, etwas Hübsches und Sinnvolles zu bewerkstelligen und zur Verfügung zu stellen. Stattdessen kann ich anfangen, irgendetwas irgendwohin zu stellen, wo es dann steht und vor sich hin existiert. Und das bringt mich weiter. Weil ich dann etwas gesagt habe (Laut) und es irgendwo plaziert habe (Raum einnehmen).

Scheiß auf den Rest.

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