ist das eine krise oder ein ablösungsprozeß?

es ist schon gerade sehr schwierig. a entgleitet mir immer mehr, doch ganz weg ist er noch nicht. im kopf führe ich einseitige gespräche mit ihm, denn wenn ich tatsächlich mit ihm rede, schmerzt es uns beide zu sehr — ich kann ja nicht richtig verdrängen und über anderes reden, und alles wird sehr tränenreich.

alle meine freund_innen sind verständnisvoll und hören mir zu, so viel ich auch jammere. wohin geht das alles wohl?

inwieweit muß ich meine beziehung und die ganzen letzten zehn jahre re-evaluieren, weil a am ende vllt doch nicht bei mir bleiben möchte? oder beinflußt das nicht das, was wir hatten? (haben?)

ich denke an die kompromisse, die ich gemacht habe, und die es mir zu dem zeitpunkt wert erschienen, sie zu machen, damit a und ich unsere zukunft weiter miteinander planen können. es waren ja nicht viele große kompromisse, weil ich nicht so kompromißbereit bin. aber ein paar wenige große kompromisse waren es, die ich für temporär hielt. ich habe immer alles in dem bewußtsein geplant, daß a und ich zusammen bleiben würden. weil das die art von basisbeziehung war, die ich wollte. wenn wir auseinander gehen, habe ich kein interesse, mir eine neue — wie sagt man, stammbeziehung vielleicht, wie ein baumstamm? primary beziehung, dummes wort. — naja, ich will mir keine neue beziehung suchen, die dieselbe stelle einnimmt wie meine alte. das wäre ohnehin nicht möglich.

es ist gut, nicht allein dazustehen, aber scheiße, ohne a dazustehen, kontext egal.

außerdem überlege ich mir nun, wie a zu helfen wäre. er ist in der untragbaren, schrecklichen situation, sich zwischen zwei menschen, die er liebt, entscheiden zu müssen. eine situation, die ich immer zu umgehen versucht habe, weil ich sie so völlig befremdlich, unnötig, ja, eklig finde. oder natürlich kann er sich auch noch gegen uns beide entscheiden, s und ich sind ja beide nicht perfekt. er sagt, das problem ist überhaupt nicht lösbar.

wie ist das problem lösbar? nicht als win-win-situation, soviel ist klar. ein stück weit hat schon jede_r verloren. meine mutter sagt zu mir, so straightforward, wie sie manchmal ist, dann mußt du handeln (gehen, meint sie).  ist das eine lösung? was ist eine lösung? wen kann ich fragen? meine therapeutin kümmert sich um meine probleme, nicht um die von a, und er hat keine zeit, kein geld und keinen mut sich selbst eine_n therapeut_in zu suchen. der beratungsstellentermin ist dann, wo er nicht in der stadt ist.

ich lese alte bücher die ich schon kenne, trinke zu viel kaffee, heule mich bei freund_inne aus. mein impuls ist, mich in m und w’s bett zu verkriechen, aber ich weiß, das ist kein guter impuls. ich werde nicht meine neue, junge beziehung überfordern und sie benutzen, den schmerz über den bruch der alten zu kitten. wenn ich beide, nein, alle drei beziehungen trennen kann, während sie nebeneinander laufen, dann soll das auch gehen, wenn eine wegfällt. m und w haben das nicht verdient, der ersatz für a oder für meine makellose zukunftsvorstellung zu sein.

ich fahre auf so vielen schienen gleichzeitig, und ich meine nicht die beziehungen.

sondern die möglichen varianten, wie das ausgehen kann, die ich alle schon jetzt zu durchdenken versuche.

a fürchtet sich vor der beziehung mit mir, weil er jetzt festgestellt hat, daß er mich nicht teilen will. aber das müßte er. manche leute tun sowas ja, mono in a polyamorous relationship, doch während ich dafür einen heidenrespekt habe, würde ich es nie von jemandem verlangen wollen und mich wahrscheinlich mit eine_r partner_in, der/die wirklich monogam ist, unwohl fühlen. weil ich angst hätte, daß sie/er zu viele kompromisse macht und nicht genug bekommt, was er/sie braucht. ich wäre ja auch nicht bereit, eine monogame beziehung zu führen meinem partner zuliebe.

nur, daß a so lange scheinbar glücklich mit mir war, und auf einmal geht das alles nicht… ich kann mich nicht recht daran gewöhnen, daß anderer leute selbsterkenntnis in einer anderen geschwindigkeit (und einem anderen rhythmus) läuft als meine.

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6 Gedanken zu “ist das eine krise oder ein ablösungsprozeß?

  1. jetzt beginne ich glaube ich, etwas durchzublicken

    a ist also deine Wurzel sozusagen, deine stabile beziehung aber da ist noch s. und s möchte a jetzt ganz für sich

    und m und w sind deine ich nenne sie jetzt mal Äste-beziehung.

    mhhh kompliziert vor allem wenn a dich sich ganz für sich haben möchte, dann würde er von dir verlangen alle deine Äste zu kappen

    was eben nicht die Natur eines Baumes(=du) ist

    auf der anderen Seite ersetzten Äste und Blätter nicht die basis. von daher kann ich gut verstehen, dass du gerade nicht besonders darauf aus bist irgendeinen ersatz zu finden

    und würde er sich doch für dich entscheiden, wäre es dann immer noch die solide grundfeste?

    also im grund ist das Gerüst auf dem alles steht doch arg im schwanken egal was a tun wird – den sie war nicht die basis die du geglaubt hast das sie war.

    im grunde stimme ich deine mum zu: aktion
    aber gehen? ist das nicht mehr fortlaufen? also zumindest in dieser situation?
    und würde vermutlich allen nur mehr wehtun.

    • ein schönes bild hast du da gemalt. :) ich hab eine weile darüber nachgedacht — es ist nicht *ganz* passend, aber hilfreich.

      ich sehe gerade keine andere aktion, die mir möglich ist. vielleicht ‚loslassen‘ eher als gehen, denn wirklich weggehen, nein, das will ich auch nicht. sichtbar stehenbleiben und aufhören festzuhalten, das ist so das, was ich gerade im auge habe. und ich bin ja eher selbst meine wurzel, ich weiß nicht, was ist er? vllt dieser große ast in der mitte, der direkt aus dem stamm kommt. oder der baum nebendran, der mit mir verwunden ist? ich denk da nochmal drüber nach.

  2. Hm, es ist schwer zu sagen, was es jetzt ist. Aber klar ist: Es wird sich etwas verändern.
    Die Frage ist, was du willst. A behalten, natürlich. Und auch M und W.
    Außerdem… Würde A denn S „gehen lassen“, wenn er dich ganz für sich hätte…?
    Wie du schon meintest, man sollte nichts von anderen verlangen, was man nicht selber durchsetzen kann. Allerdings sollte man den anderen auch nicht zu sehr unter Druck setzen, indem man sagt: Ich nein, aber ‚mach du ruhig‘. Wenn T jetzt sagen würde, er hätte gerne noch eine zweite Beziehung neben mir, würde ich mir zumindest das Recht rausnehmen, mit andern ins Bett gehen zu dürfen.
    Deine Mom und Mia haben recht: Mach was. Aber ob es unbedingt gehen sein muss…? Gibt es nicht die Möglichkeit, dass du mit A zusammen zu deiner Therapeutin gehst? Dass ihr gemeinsam mit ihr drüber redet? Dass sie eine Art Vermittlerin ist?
    Menschen ändern sich. Die einen schneller, die anderen langsamer, aber wenn etwas so bleiben soll wie es ist, muss man sich anpassen. Nur… Wie weit kannst und willst du dich anpassen, und wie weit kann und will A sich anpassen?

    • das wär schön, wenn es möglich wäre, zusammen zur therapeutin zu gehen und etwas zu klären. aber dazu müßte a ja den klaren willen haben, zu versuchen, mit mir zusammen zu bleiben, und er hat nicht den klaren willen zu irgendwas. meine kompromisse, die ich anbiete, können nie genug sein, wenn die basisvoraussetzung für ihn nicht stimmt.
      für mich ist die frage monogamie oder poly/ offen eine frage, die über m und w weit hinausgeht. es ist eine prinzipielle frage, und ich komme mit dem prinzip monogamie für mich selbst nicht klar. das ist das eine zugeständnis, das ich nicht machen kann, und die frage war: kann er damit klarkommen. wenn nicht, tja, dann weiß ich nicht mehr.

      • Wenn du dich verbiegen müsstest, um mit A zusammen bleiben zu können, bringt es nichts, denn dann wärst du nicht glücklich und würdest dich nicht wohl fühlen. Und selbst, wenn es in einer Beziehung nicht nur rosa-Brillen-und-strahlend-Sonnenschein gibt, sollte man sich doch zumindest die meiste Zeit über wohlfühlen.
        Es ist schade, dass einige Dinge leider nicht für immer halten.
        *drückt*

      • ja, gell, ich dachte, dieses ding würde für immer halten. wer weiß, es ist noch nicht aller tage abend, er kann immernoch wieder auftauchen, wenn er will. *re-drück* alles mal sehen…

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